Das SRF-Interview mit Glarus Süd

Glarus Süd will digitale Arbeitsplätze

Veröffentlicht am 10. Juni 2016

Das Interview auf SRF.ch

 

Das SRF Interview mit...

 

Philipp Gemperle : Regionalredaktor SRF

Guido Rudolfi : CEO of Cryptocash AG

Urs Kaiser : Marketing director of Glarus Süd

Nico Schottelius : CEO of ungleich GmbH, head of project Digital Glarus

Mathias Vögeli : Gemeindepräsident Glarus Süd

 

Einleitung

In diesem Blog Eintrag wird über die neuen, digitalen Entwicklungsmöglichkeiten im Kanton Glarus berichtet. Die meisten Gemeinden/Kantone befinden sich noch im analogen Dämmerschlaf und sind der rasanten, technischen Entwicklung, noch nicht gefolgt. In diesen Interviews sprechen Vertreter der örtlichen Gemeinden und Nico Schottelius, Geschäftsführer der Ungleich GmbH, über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Institutionen und geschäftlichen Know-How Trägern.

Moderator


In der Gemeinde Glarus Süd sind in den letzten Jahren Arbeitsplätze verschwunden, internationale Industriekonzerne haben abgebaut. Jetzt sucht die Gemeinde nach neuen Standbeinen und setzt dabei nebst der bestehenden Industrie auf die Informatik. Leute die am Computer arbeiten, sollen also nach Glarus Süd kommen.

Philipp Gemperle hat sich das angeschaut. Wieso glaubt die Gemeinde hier an einen Erfolg?

linthal_01_800.jpg©r.wiedenmeier

Philipp Gemperle:
Glarus Süd ist ganz hinten im Glarnerland, man muss also einen weiten Weg zurücklegen, bis man dort ist. Die Gemeinde hat bis jetzt vorallem von der Industrie gelebt, zum Beispiel Kunsstoff und Metallindustrie, und das ist nicht so einfach, da man alles wieder nach vorne transportieren muss. Glarus ist eigentlich ein Sack-Kanton. In der Informatik benötigt es keinen Transport von irgendwelchen Güter und es ist eigentlich egal wo man arbeitet. Lediglich eine Internetanbindung und Strom muss vorhanden sein. Natürlich ist beides in Glarus-Süd bereits da.

Moderator:
Es gibt bereits konkrete Projekte in Glarus Süd, wieso sind den die Firmen nach Glarus Süd gekommen?

Philipp Gemperle:
Es gibt beispielsweise Guido Rudolfi, dieser besitzt eine Firma im Linthal, dort wird ein riesiger Server betrieben, welcher für die Berechnung der digitalen Währung Bitcoin verwendet wird.

Guido Rudolfi:
Bei uns war der wesentlichste Punkt der Standort. Erstens ist es hier relativ kühl, dass heisst, wir sparen extrem viel Geld, welches wir an einem anderen Ort ansonsten in die Kühlung investieren müssten und zweitens ist der Strompreis sensationell für uns. Man muss vielleicht sagen, dass wir eineinhalb Jahre hier in der Schweiz nach einem Standort gesucht haben und als die Frustrationsgrenze schon überschritten war, haben wir zum ersten mal vom Linthal gehört, gingen dort hin und innerhalb von zwei Wochen war alles schon geregelt. Etwas das in der übrigen Schweiz nicht möglich gewesen wäre.

Philipp Gemperle:
Guide Rudolfi spricht hier die kurzen Wege zu den Behörend an, Entscheide können also relativ schnell gefällt werden, zudem hat es günstige Bodenpreise und günstigen Strom. Dies seien wichtige Faktoren für den Erfolg in diesem Bereich.

Moderator:
Das ist also ein Beispiel, bei welchem es geklappt hat. Wie konkret will den jetzt die Gemeinde Glarus Süd noch mehr solche Arbeitsplätze dort ansiedeln?

Philipp Gemperle:
Die Gemeinde selber will eigentlich gar nicht viel machen, denn man habe ja alles: Eine ruhige Umgebung, damit die Leute gut arbeiten könnten, die direkte Zugverbingund nach Zürich, Internet, Strom. Die Gemeinde möchte jetzt nun alles noch bei den Informatikfirmen bekannter machen. Der Standortförderer Urs Kaiser sagt zum Beispiel:

Urs Kaiser:
Wir möchten mit den Unternehmer gute Projekte formulieren, wir überlegen, wo wir eine Chance haben und probieren diese Projekte auch mit den Leuten zusammen umzusetzen. Dann sprechen gute Projekte für gute Projekte und so kommen neue gute Projekte. Durch diesen Prozess haben wir die Hoffnung uns zu positionieren und dass so Leute hier nach Glarus Süd kommen und die Vorzüge sehen und dann hier arbeiten möchten.

Philipp Gemperle:
Und so benötige es auch keine klassische Werbung, welche für die Gemeinde teuer wäre. Dies klappe mit Mund-zu-Mund-Propaganda und eben ein wenig Unterstützung von der Gemeinde, wenn jemand Arbeitsplätze im digitalen Bereich nach Glarus Süd bringen möchte.

Moderator:
Heisst das jetzt, dass die Gemeinde Glarus Süd gar nicht so viel macht, dass die Gemeinde meint, dass alles von alleine funktioniert?

Philipp Gemperle:
Ja, dieses Gefühl habe ich erhalten, als ich mit den Leuten dort geredet habe. Der Informatikunternehmer Nico Schottelius, welcher eine Informatikfirma in Glarus Süd betreibt, also bereits ein zweites Unternehmen, welches funktioniert. Er findet zwar auch, das vieles stimmt in Glarus Süd, aber verschiedene Sachen müssten sich noch ändern, damit alles erfolgreich wird.

digitalglarus-srf.jpg

Nico Schottelius:
Es ist natürlich ein sehr starkes Ausbaupotential vorhanden und hier in der IT wären wir froh wenn es Glasfaserleitungen hätte, im Bereich Gigabitinternet. Dies wäre natürlich schon erstrebenswert.

Philipp Gemperle:
Er hätte also gerne Glasfaserleitungen, damit das Internet auch wirklich schnell in Glarus Süd wäre. Das ist aber im Moment noch kein Thema, da in der Gemeinde das Geld für solch eine Investition nicht ausreicht.
Wir werden also sehen, ob diese Mund-zu-Mund-Propaganda wirklich ausreicht, um viele Computerfirmen in Glarus Süd zum ansiedeln anzuregen.

Moderator:
Philipp Gemperle war in Glarus Süd und hat sich dort informieren lassen, wie die Gemeinde nebst der klassischen Industrie auch Arbeitsplätze im Informatikbereich ansiedeln möchte.