Das Geld ist fast da

Nico Schottelius will für 250 000 Franken sein Datencenter ...

Veröffentlicht am 9. Februar 2018

Das Geld ist fast da

Nico Schottelius will für 250 000 Franken sein Datencenter in Linthal ausbauen.

Dank einer Crowdfunding-Kampagne, die morgen endet, stehen die Chancen gut.

von Olga Shostak (Text und Bilder), Südostschweiz | Freitag, 9. Februar 2018

Der Slogan «Glarnerland macht erfolgreich» ziert eine Broschüre des Kantons Glarus, in welcher die hiesigen Standortvorteile genannt werden. Nico Schottelius, Geschäftsführer der Ungleich GmbH in Schwanden, hat diesen Slogan offenbar zu seinem Lebensziel gemacht. Vor knapp drei Monaten startete er eine Crowdfunding-Kampagne, um das Rechenzentrum Data Center Light in Linthal auszubauen. Für Schottelius ist das aber erst der Anfang. Laut eigenen Angaben sieht er den Kanton Glarus künftig in einer Hauptrolle bei der Digitalisierung der Schweiz. Vorerst gilt es aber, bis Samstag 250000 Franken zusammenzubekommen. Und es sieht gut aus. Bereits 46 Investoren haben das Projekt mit total 196705 Franken unterstützt.

Investoren haben klare Absicht Dass die Kampagne so gut läuft, überrascht Schottelius nicht. «Wir haben uns mit vielen Investoren, Klein- und Grossanlegern unterhalten. Teilweise mit sehr überraschenden Reaktionen –von einer festen Zusage, zu doch keinem Engagement, hin zu spontanen Unterstützungen von 5000 bis 20 000 Franken. Wir hatten deswegen eine gute Übersicht darüber, was am Kampagnenende herauskommen könnte», erzählt er. Kürzlich habe er sogar erfahren, dass sich eine Gruppe von Technikern aus dem Tessin stark für seine Projekte interessiere.

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Die meisten Unterstützer haben klare Absichten hinter ihrer Beteiligung am Ausbau des Datencenters. Vielen gehe es darum, etwas Neues in Glarus Süd entstehen zu lassen. Das gehe von Arbeitsplätzen bis hin zu einem Ökosystem, erklärt Schottelius und ist überzeugt: «Meiner Ansicht nach kommen wir dieser Forderung gut nach. Bereits jetzt konnten wir zwei neue Arbeitsplätze im Süden schaffen.»

Der Zuspruch der Glarner Bevölkerung für seine Projekte ist laut Schottelius gross. Das Feedback der Glarner und Heimwehglarner sei durchwegs positiv, viele hätten ihm mitgeteilt, sie seien froh, dass sich etwas im Glarnerland und insbesondere in Glarus Süd tue. Schottelius ist sich aber bewusst, dass seine IT-Projekte nicht jedermanns Sache sind: «Unsere Schwäche ist die Materie an sich. Denn sie ist nicht ganz trivial.» Der Aufbau eines Rechenzentrums, der Betrieb von Servern und die Ausmietung von Teilen von Servern – solche Themen seien nicht ganz einfach zu erklären. «Ich denke jedoch auch, dass das teilweise unser Auftrag ist. Wenn wir mit dem Kanton als Digital Glarus erfolgreich sein wollen, dann müssen wir der Bevölkerung die Chance geben, sich mit der digitalen Welt vertraut zu machen.»

Nach Ablauf der Kampagne geht es für Schottelius weiter mit dem Ausbau des Datencenters. In einem ersten Schritt gehe es darum,die Infrastruktur zu stabilisieren und neue Kunden zu gewinnen. Dafür werde beispielsweise das Glasfasernetz am neuen Standort in Linthal ausgebaut. «Wenn es gut läuft, sollten wir spätestens Ende Februar am Standort Linthal produktiv sein und eine gute Ausgangslage haben, um weiter wachsen zu können», sagt er.

Sollte der Betrag trotz allen Bemühungen nicht zustande kommen, wird sich für die Investoren nichts ändern: «Wir geben beim Crowdfunding Aktienanteile heraus, die eine feste Verpflichtung erfordern. Aus dem Grund werden nach Ende der Kampagne die gezeichneten Anteile in Namenaktien, beziehungsweise Partizipationsscheine, umgewandelt», erklärt Schottelius. Ihm sei es aber auch wichtig, einen Dank auszusprechen. «Es ist nicht selbstverständlich, dass jemand in ein junges Unternehmen aus dem Glarnerland investiert.»